Festung Helgoland

Vielen Dank an Herrn Peter Raddatz, Herrn Andreas O'Brien und Herrn Maurice Laarman für die Unterstützung und Bereitstellung von Bildmaterial für diese Rubrik!

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Insel Helgoland zu einer Hochseefestung ausgebaut. Ein ausgedehntes Luftschutzstollensystem im Verbund mit einer großen Raumanlage (Wehrmacht / Baujahr ab 1936) befand sich als Tiefstollen mit vertikal nach unten führenden massiv verbunkerten zweiläufigen Eingangstreppenhäusern (die so genannte "Spirale" an der Inseldorfklippe) unter dem Oberland (Selbstschutzstollen / Baujahr ab 1940 / 2000 Plätze). Ergänzt wurde das System mit einem Hangstollen im Felsen am Unterland (Selbstschutzstollen / Baujahr 1943-1944 / 1500 Plätze) in die tieferen Bereiche des Felsens in horizontaler Linie hinein führend. Die Stollensysteme waren miteinander verbunden. Die Insel war praktisch durchhöhlt "wie ein Käse". Ein eigener Krankenhaus-OP-Bunker hat im Südoststollenbereich im Bereich der Raumanlage existiert. Auch ein U-Boot-Bunker war vorhanden ("Nordsee III"). Im Nordwestoberlandbereich der Insel muss ebenfalls eine Bunkeranlage mit extrem starker Abschlussdecke existiert haben. Flakstellungen, ein Flakleitturm / Flakleitstand, sowie diverse Beobachtungsstände und andere Kleinschutzbauten befanden sich auf der Insel.

Britische Zeichnungen der Insel aus unmittelbarer Nachkriegszeit:

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Das alte Helgoland - aufgenommen vor den Kriegszerstörungen - im Jahre 1937

Der 3-Kammer-U-Boot-Bunker "Nordsee III"

Kasematten aus der Zeit des Ersten Weltkrieges und früher waren vorhanden und wurden befestigt. Im WK 2 hatte die Insel mehrere starke Luftangriffe erlitten, durch die ein Großteil der Wohnbebauung zerstört wurde. Die Insel sollte im Rahmen des Projektes "Hummerschere" innerhalb mehrerer Jahrzehnte zu einer Bastion "für die gesamte deutsche Flotte" erweitert werden. Diese Pläne wurden jedoch nur minimal realisiert. Am 7. April 1945 wurde die Insel offiziell zur Festung erklärt. Die stärksten Angriffe fanden mit etwa 1000 Flugzeugen am 18./19. April 1945 statt. 285 Menschen kamen bei den Angriffen der Royal Air Force ums Leben, darunter viele Flak- und Marinehelfer. Unmittelbar nach dem Angriff wurden die Helgoländer evakuiert.

Nach dem Krieg wurde durch die Engländer versucht, die Insel mit systematischen Sprengungen zu entfestigen.

Durch die größte der Sprengungen wurde das heutige so genannte Mittelland geschaffen (1947 / größte nicht-nukleare Sprengung der Geschichte). Ein gewaltiger Sprengungstrichter ist dort noch immer zu erkennen. Ursprünglich sollte wohl mit dieser Sprengung die gesamte Insel bis auf den Sockel zerstört werden. Dies gelang aber nicht. Doch glich die Insel nun einer Mondlandschaft. Andere Hinweise aus der Neuzeit besagen auch, dass lediglich die militärischen Anlagen hätten zerstört werden sollen.

Erst Jahre nach dem Krieg wurde die Insel wieder für die deutsche Bevölkerung freigegeben (1952). Dies war hauptsächlich der Initiative zweier deutscher Studenten, welche die Insel "besetzten" und auf dem ehemaligen Flakleitturm die deutsche Fahne anbrachten, zu verdanken. Die darauf folgende Medienberichterstattung trug ihren Teil zur Freigebung bei.

1952 konnten dann endlich nach Jahren des Krieges und der Evakuierung die Helgoländer wieder auf ihre Insel zurückkehren.

In den folgenden Jahren ist die Bebauung des Ober- und Unterlandes neu entstanden. Trotz der damaligen Verwüstungen sind Teilbereiche des Oberlandstollens (Bereich "Schulstollen") erhalten geblieben und im hergerichteten begehbaren Zustand. Regelmäßig werden in der Hauptsaison sehenswerte Bunkerführungen angeboten. Der Unterlandstollen ist zu einigen Teilen verschüttet und eingestürzt. Begehbare Teile werden jedoch teilweise privat genutzt. Die Raumanlage im Bereich des heutigen Mittellandes ist völlig gesprengt. Der U-Boot-Bunker "Nordsee III" wurde nach dem Krieg gesprengt und wohl restlos beseitigt. Bei einem Rundgang über das Oberland zur "Langen Anna" und zurück fallen die vielen Bombenkrater und Betontrümmer der ehemaligen Befestigungen (unter anderem Beobachtungsstände, Flakstellungsbunker) sofort auf. Immer wieder existieren Gerüchte von einem "Verbindungstunnel" zwischen Hauptinsel und Düne. Nach unseren Informationen existiert ein derartiger Tunnel nicht. Einen solchen (sinnlosen und technisch damals fast unmöglich zu realisierenden) Gang hat es wohl auch nie gegeben.

Nachfolgend einige Fotos der auf der Insel anzufindenden baulichen Weltkriegserinnerungen und Betonrelikte:

Dies war der Flakleitturm / Flakleitstand auf dem Oberland. Er überstand die Kriegsjahre und die Sprengungen der Nachkriegszeit. Er wurde wieder hergerichtet und dient heute als Leuchtturm...

Dieser Tunnel führt durch den Fels hindurch vom Mittelland hoch zum Oberland. Er dient der schnelleren Verbindung zwischen Unterland und Oberland mit den auf der Insel üblichen Elektromobilen (unter anderem schnellerer Anschluss zum Krankenhaus am Mittelland). Er stammt jedoch nicht aus Kriegszeiten...

Blick vom Oberland zum Mittelland. Ein gewaltiger Sprengungstrichter zeugt noch heute von der Stärke der damaligen Explosion. Hier befand sich die ausgedehnte Raumanlage...

Im Mittelland...

Betontrümmer direkt am Mittelland

Blick vom Mittelland zum Oberland...

Reste einer Stabbrandbombe?

Grillplatz aus Betontrümmern

Objekte der oberen Fotos: Betontrümmer (Reste schwerer Flakstellungen) im Bereich Strand / Höhe Mittelland...

Quelle: O'Brien

Betonreste am oberen Rand der Westklippe

Beobachtungsstand / Unterstand an der Westklippe

Betonfläche

Sockel mit Halterung

Bombentrichter überziehen das gesamte Oberland:

Reste einer Bunkeranlage am ehemaligen Flakleitturm / Flakleitstand / westlich des Turmes:

Mittig ein Eingangsbereich

Zugemauerter Beobachtungsstand an der Westklippe

Betonquader auf einem Felsen an der Westklippe (Scheinwerferstand?)

Um was könnte es sich bei diesem Relikt handeln?

Betonfläche

Ein tiefer Bombentrichter

Dieser kleinere Betontrümmer an der Westklippe ist der so genannte "Eierstein". Hier hat der WHV-Administrator von 1978 bis Mitte der 1980er Jahre hinein regelmäßig mit seinem Vater und Großvater sein Fühstück nach Ankunft mit der MS Wilhelmshaven abgehalten. Hauptbestandteil dieses Frühstückes waren hartgekochte Eier mit Senf, Salz und Pfeffer.

Quelle: O'Brien

Öffnungen in der Felswand wie diese hier werden die Enden von Entwässerungsschächten dargestellt haben (siehe auch Foto weiter unten)...

Quelle: O'Brien

Quelle: O'Brien

Zwei von vielen herumliegenden kleineren Betontrümmern im Westklippenbereich:

Bombentrichter und Trümmer:

Zerstörte Betonflächen unterhalb der Westklippe

Vier Betonsockel. Was stand hier?

Nachfolgend eine Art gemauerter Beobachtungsunterstand (bis auf weiteres gehen wir von einem Kriegsobjekt aus, wenngleich durch die Wucht der Sprengung der Bunkeranlagen in der unmittelbaren Nähe das kleine Gebäude wohl sehr wahrscheinlich hätte mit zerstört werden müssen). Darunter und daneben in allen Bereichen große Trümmergebiete. Hier muss eine überdimensional angelegte Bunkeranlage mit extrem starker Abschlussdecke existiert haben:

Befand sich auf dem Sockel ein Peilgerät, Fernglas oder ähnliches?

Quelle: O'Brien

Ein Durchgang zwischen einer Felsenseite der Westklippe und der anderen. Von dort scheinen sich entgegen früherer Vermutungen jedoch keine Stollengänge ins Innere der Insel abzuleiten... Auf dieser Seite der Insel gibt es mehrere solcher Durchgänge.

Quelle: O'Brien

Die "Lange Anna", dahinter nach Norden hin weit ins Meer führend eine aus Kriegszeiten und noch davor stammende Betonmole (Nordmole). Es war geplant, im Zuge des vorgesehenen Ausbaues der Insel als Kriegshafen und Seestützpunkt, das erwähnte Projekt "Hummerschere", diese im Ost- und Nordbereich stark zu vergrößern. Die Mole ist einer der wenigen Reste dieses lediglich minimal realisierten Vorhabens...

Überall Betontrümmer. In diesem Bereich könnte die schwere Flak-Batterie "Westklippe" gelegen haben...

Ein fast unversehrter Beobachtungsstand an der Ostklippe des Felsens, heute friedlich genutzt durch Bergziegen...

Projekt "Hummerschere" / Aufbaupläne der Insel für "die gesamte deutsche Flotte" in der NS-Zeit...

Relikte aus Kriegszeiten am Nordoststrand... Die Stahlträger sind bei Niedrigwasser bis weit nach Westen hin zu erkennen. Hier sollte im Rahmen von "Hummerschere" eine Befestigungsmauer des Nordbereiches der Insel geschaffen werden.

"Hinweispyramiden" an der Ostklippe:

Trichter einer 5000-Kilogramm-Bombe

Betonreste an der Ostklippe, könnte hier ein Erdbunker oder vielleicht ein betonierter Deckungsgraben verschüttet sein?

Betonquader aus Kriegszeiten in Nähe des heutigen Seglerhafens

Betontrümmer im Hafen...

Vorbau an der Hafenmole, Höhe Landungsbrücke. Befand sich auf dem Quader ein Flakgeschütz? Fast genau südlich davon befand sich der U-Boot-Bunker...

Die Molen am Hafen, deren Sockel und große Teilbereiche über Wassergleiche stammen aus Kriegszeiten...

Der neue Friedhof Helgolands, beim verheerenden Luftangriff 1945 wurde der alte Friedhof komplett verwüstet.

Der Helgoländer Maulbeerbaum. Er überstand den schweren Bombenangriff und die darauf folgenden Brände. Noch heute blüht er.

Einer der drei nachträglich errichteten Eingangsbauten in das Innere des begehbaren LS-Stollenbereiches-Oberland. Hier finden die aktuellen Führungen in Helgolands Unterwelt ihren Anfang.

Der zweite Einstieg mit nachträglichem Überbau. Der Sockel ist original. Hier enden die Führungen ins Freie. Ursprünglich war dies der Notausstieg auf das Oberland...

Der dritte Eingang, welcher hier nicht abgebildet ist, wurde aus Sicherheitsgründen mit einem massiven Metallgitter versperrt.

Hinweisanschlag zur Bunkerführung am Rathaus im Jahr 2006, weitere Hinweise befanden sich in Infoglastafeln auf dem Unterland und Oberland.

Treffpunkt zur Führung war 2006 hier...

 

Blick in das Innere des begehbaren LS-Stollenbereiches

Helgolands Abtretung von England an das Deutsche Reich 1890:

Unterland im Bereich der Musikmuschel: Hinweis auf Kaiser Wilhelm II. Anwesenheit auf der Insel am 10. August 1890...

"Stolpersteine" auf Helgoland, Erinnerungen an Opfer der NS-Zeit. Dies waren zwei der Männer, die mit den Engländern Kontakt aufnehmen wollten, um eine Zerstörung der Insel zu verhindern. Sie wurden noch am Tage des 18. April 1945, als Helgoland durch den verheerenden Luftangriff zerstört wurde, verhaftet und am 21. April in Cuxhaven erschossen.

 

Haben Sie Korrekturen oder Verbesserungsvorschläge für diese Rubrik anzubieten? Besitzen Sie weitere Informationen? Dann nehmen Sie bitte Kontakt zu uns auf. Danke.

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Helgoland besitzt eine eigene Internetseite: www.helgoland.de

Die Seite des Museums Helgoland bezüglich Bunkeranlagen und Führungen: www.museum-helgoland.de

Eine Gemeinschaftsarbeit aller BTA-Klassen der Adolf-Reichwein-Schule Marburg zum Thema Helgoland, begonnen im Jahr 2011 durch die Klasse BT11: www.btahelgoland.blogspot.com

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