Der Dietel-Turm

- Eine Kurzvorstellung -

 

Luftschutztürme der Bauart Dietel wurden nach ihrem Konstrukteur benannt und hatten laut Patent in der Regel zehn Geschosse wobei eines beziehungsweise zwei von ihnen unterirdisch lagen. Die runden LS-Türme, welche auch in einer viereckigen Variante projektiert und gebaut worden waren, besaßen beginnend ab dem achten Geschoss einen nach außen hin pilzförmig aussehenden Turmkopf. Auf diesem befand sich mittig eine kleine Beobachtungsplattform, auf welcher zusätzlich eine Einbettung leichter Flak oder die Platzierung eines Scheinwerferstandes vorgesehen war. Auffällig am Dietel-Turm war die zusätzliche Bestückung mit Sichtscharten, beziehungsweise Verteidigungsscharten für die Nah- und Bodenverteidigung durch MG-Schützen. Die Türme wurden seltsamerweise im ehemaligen deutschen Reichsgebiet äußerst selten errichtet. In der Ruhrstahl-AG Witten gab es nachweisbar zwei viereckige Dietel-Türme, von denen noch heute einer erhalten ist.

 

Nachweisbar existierten / existieren (runde) Türme der Bauart Dietel

in:


1. Darmstadt

Dieser Turm existiert noch heute im "nachkrieglich" entfestigten und umgenutzten Zustand. Auf seinem Beobachtungsstand auf der Turmplattform wurden Mobilfunkmasten angebracht.

Der Luftschutzturm wurde mit dem Namen: "Von Richthofen-Turm" versehen. Heute trägt er im Volksmund den Namen "Mozartturm".

 

2. Rüsselsheim

Werkgelände der Adam Opel AG

Der Luftschutzturm wurde mit dem Namen: "Boelcke-Turm" versehen.

Unserer Information nach wurde der Turm kurz nach Kriegsende in Folge der Demilitarisierungsmaßnahmen der Alliierten abgerissen und vollständig entfernt.

 

? Westdeutschland / Luftverteidigungszone West

...laut M. Foedrowitz "Luftschutztürme und ihre Bauarten"

Ort und heutiger Status unbekannt, eventuell ist der Dietel-Turm in Darmstadt gemeint.

 

3. Hattingen

Genauer Standort unbekannt, entfernt.

 

4. Heilbronn

"General Wever-Turm". Einziger bombensicherer Hochbunker Heilbronns. Noch heute ist dieser Turm fast in authentischem Zustand und steht unter Denkmalschutz. Auch die Anordnung der Beobachtungs- Schießscharten ist dort treffend auffindbar.

 

5. Neuwied bei Koblenz

Dieser Dietel-Turm wurde im Gebiet der Zementwerke Neuwied errichtet. Er stand links, einige hundert Meter (von "Engers" kommend) vor der Brückenauffahrt zur damaligen Hermann-Göring-Brücke. Dieser Turm schien nicht ganz so hoch wie vorgesehen ausgeführt worden zu sein. Unser Leser Helmut schreibt dazu: "Da man ihn nicht (ein zweites Mal...) sprengen konnte oder wollte, sollte er dann durch Untergrabung langsam versenkt, beerdigt werden. Er wurde praktisch von allen Seiten her untergraben. So hab ich's in Erinnerung." Der heutige Status des Turmes ist uns unbekannt. Es könnte aber sein, dass Reste des Turmes oder vielleicht sogar das ganze Bauwerk unter Erdgleiche im liegenden Zustand (der Turm ist nach einer ersten Sprengung durch die französischen Besatzer bereits umgekippt) noch heute vorhanden sind. Mutmaßlich hat es sich bei diesem Turm garnicht um einen Dietel-Turm gehandelt, sondern um einen äußerst seltenen LS-Turm der Bauart Zombeck mit Plattform. Hinweise darauf lassen sich bis dato jedoch nicht weiter nachverfolgen.

Weitere Erinnerungen von Leser Helmut: "Meine, mich fest daran zu erinnern, dass eine Doppelflügeleisenblechtür auf der dem Osten zugewandten Seite der einzige Zugang zum Inneren war, der Turm liegt direkt auf der Tür! - Der einzige Zugang über eine spiralförmige Rampe, die in Etagenform gestaffelte Schutzräume für die Menschen zugängig machte. Also keine Treppen. Kann mich auch noch gut daran erinnern, dass nach dem Zusammenbruch aufgerissene Koffer, Kleidungsstücke und Dokumente / Briefe den Eingang fast verstopften. Wohl eine alltägliche Begebenheit in den Ruinen und Bunkern!"

 

6. Wilhelmshaven

Gelände der ehemaligen Hafenneubaukaserne (Hafenneubaukommando). Unmittelbar nach Kriegsende gesprengt und endgültig abgetragen Anfang der 1980er Jahre. Dieser Dietel-Turm besaß keine Schießscharten im militärischen Nahkampfverteidigungssinne. Ebenfalls verfügte er keinesfalls über die regulären zehn Geschosse und war auch vom Durchmesser her nicht ganz so breit wie das ursprüngliche Dietelpatent es vorgesehen hatte.

 

Alles in allem ein heute unseres Wissens nach nur noch zweimal anzufindendes Relikt der runden Bauweise. In Darmstadt und in Heilbronn am Neckarufer.

 

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